TwinGins Bikestream

Błóta wobjezd

18.03.07, 08:45

Spreewald-Rundfahrt, auf sorbisch.
Gute 100 Km südlich von Berlin am Autobahnkreuz A13/A15 liegt Lübbenau, ein guter Ausgangspunkt für Unternehmungen im Spreewald. Überall geht es um Kähne und Gurken. Die Kahnsaison wird ab April eröffnet und wie immer, wenn irgendwo ein paar Gewässer eine Landschaft durchziehen, ist von Venedig die Rede. Von der prunkhaften Grazie der venezianischen Gondeln sind die Spreewaldkähne jedoch weit entfernt und im Gegensatz zur berühmten Schwester lässt es sich gut mit dem Motorrad vorankommen.

Geplant ist eine Runde frei Schnauze Richtung Norden am Schwielochsee vorbei bis Beeskow und weiter gen Osten zur Oder-Neiße-Mündung. In urig-verträumter Landschaft geht es durch kleine Dörfer mit Kirchen, die leider verschlossen sind. Meistens ist niemand zu erreichen, der einen Schlüssel hätte. Eine erste Essenspause gibt es in Goyatz, Cafe am See, lecker dort die Fisch-Pasten-Vorspeise, frisch mit Senfkörnern und Zwiebeln auf Baguette. Trotz mehrmaliger Klarstellung bleibt der Wirt der Meinung, die Volksmusik-Bedudelung auf der Terrasse wäre eine zielgruppengerechte Geräuschkulisse und mir graust es plötzlich vor dem Renten-Alter.

In Beeskow wäre die Auswahl an Gaststätten größer gewesen. Die Beeskower Burg lockt mit einem beeindruckenden Burgfried, von dessen Spitze sich ein Panorama-Blick über den Spreewald bietet. Kurz hinter Beeskow an der B 246 zieht ein urtümliches Haus die Aufmerksamkeit auf sich: wie die Holztafel am Eingangstor verrät, handelt es sich um das Germanische Langhaus zu Krügersdorf. So ein Aufenthalt im historischen Badehaus würde mich ja arg reizen, mir kommt Ougenweide in den Sinn.

Kurz vor der Oder-Neiße-Mündung machen Schilder auf das Kloster Neuzelle aufmerksam, das "Barockwunder Brandenburgs". Und in der Tat, nach den minimalistisch bis sparsamen Dorfkirchen wird es hier beladen und farbintensiv. Leider sind auch hier die Tore verschlossen, für ein nächstes Mal werde ich vorher die Webseite besuchen und mich auf die Öffnungszeiten vorbereiten. Einen Blick ins Innere kann man im Stralau-Blog erhaschen. Da die Fahrt hier noch nicht zuende ist, widerstehe ich der Versuchung, das Neuzeller Kloster-Bräu zu versuchen. Nach guten 120 Km ist das Ziel erreicht: die Oder-Neiße-Mündung. Bei einem Milchkaffee mit Blick auf den Grenzfluß nähert sich der Tag seinem Ende, es wartet nur noch der Rückweg über Frankfurt/Oder auf der A12 nach Berlin. Ein würdiger Frühlingsanfang, vor dem Beginn der Touristensaison zeigt sich diese Ecke Deutschlands auf ganz eigene Weise.

Geschrieben am 18.03.07, 08:45
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